Iridium (Ir): Schlüsselmetall der Wasserstoffwirtschaft

Was ist Iridium?

Iridium (chemisches Symbol: Ir, Ordnungszahl 77) ist ein silberweißes, extrem hartes und dichtes Übergangsmetall aus der Platingruppe. Es wurde 1803 vom englischen Chemiker Smithson Tennant entdeckt und nach der griechischen Göttin Iris benannt — wegen der vielfarbigen Verbindungen, die es bildet.

Iridium ist das korrosionsbeständigste aller bekannten Metalle und eines der seltensten Elemente in der Erdkruste. Es kommt hauptsächlich als Nebenprodukt der Platin- und Nickelförderung vor und wird aufgrund seiner außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften in Hochleistungsanwendungen eingesetzt — von der Raumfahrt bis zur Wasserstoffelektrolyse.

Iridium gehört zu den seltensten Elementen der Erdkruste — bis zu 10-mal seltener als Platin und bis zu 40-mal seltener als Gold. Es wird ausschließlich als Nebenprodukt der Platin- und Nickelraffination gewonnen. Nur wenige Tonnen gelangen jährlich auf den Markt. Damit ist es eines der exklusivsten Edelmetalle überhaupt.

22,56 g/cm³Dichte
2.446 °CSchmelzpunkt
1803Entdeckung
~7 t/JahrWeltweite Förderung

Physikalische Eigenschaften von Iridium

Iridium zeichnet sich durch eine einzigartige Kombination von physikalischen Eigenschaften aus, die es von allen anderen Metallen unterscheidet. Es gehört zu den dichtesten natürlich vorkommenden Elementen und besitzt eine außergewöhnliche Härte sowie Korrosionsbeständigkeit — selbst bei extrem hohen Temperaturen.

Diese Eigenschaften machen Iridium zum bevorzugten Material für Anwendungen, bei denen Haltbarkeit und Präzision unter extremen Bedingungen gefragt sind — etwa in Hochtemperaturkontakten, Laborgeräten und Luft- und Raumfahrttechnik.

OsmiumInfo.Iridium.s2ImgAlt
EigenschaftWert
Ordnungszahl77
Atommasse192,217 u
Dichte22,56 g/cm³
Schmelzpunkt2.446 °C
Siedepunkt4.428 °C
Kristallstrukturkubisch-flächenzentriert (fcc)
Mohshärte6,5
Korrosionsbeständigkeithöchste aller bekannten Metalle
Farbesilberweiß mit leichtem Gelbstich

Industrielle Verwendung von Iridium

Obwohl Iridium eines der seltensten Elemente ist, spielt es in zahlreichen Hightech-Industrien eine unverzichtbare Rolle. Seine einzigartige Kombination aus Härte, Hitzebeständigkeit und chemischer Inertheit macht es zum Material der Wahl für anspruchsvollste Anwendungen.

Zündkerzen und Automobilindustrie: Iridium-Zündkerzen sind der Goldstandard in modernen Motoren. Die extrem feine Iridium-Elektrode ermöglicht einen präziseren Zündfunken, höhere Effizienz und eine Lebensdauer von bis zu 100.000 km.

Wasserstoffelektrolyse: In PEM-Elektrolyseuren (Proton Exchange Membrane) dient Iridium als Katalysator für die Sauerstoffentwicklung. Diese Technologie ist entscheidend für die Produktion von grünem Wasserstoff — einem Schlüsselelement der Energiewende.

Luft- und Raumfahrt: Iridium-Legierungen werden in Triebwerksdüsen und Hochtemperaturkomponenten verwendet, wo andere Materialien versagen würden.

Wasserstoffelektrolyse Technologie

Zündkerzen

Iridium-Elektroden für längere Lebensdauer und höhere Effizienz in modernen Verbrennungsmotoren.

Wasserstoff-Elektrolyse

Katalysator in PEM-Elektrolyseuren für die Produktion von grünem Wasserstoff.

Medizintechnik

Radioaktives Iridium-192 wird in der Brachytherapie zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Luft- & Raumfahrt

Hochtemperaturbeständige Legierungen für Triebwerke und Satellitenkomponenten.

Die steigende Nachfrage nach grünem Wasserstoff könnte den Iridium-Bedarf in den kommenden Jahrzehnten vervielfachen. Da das Angebot extrem begrenzt ist, sehen Analysten ein erhebliches Wertsteigerungspotenzial.


Iridium in der Wasserstoffwirtschaft

Iridium spielt eine Schlüsselrolle in der Produktion von grünem Wasserstoff. In PEM-Elektrolyseuren (Protonenaustauschmembran) dient Iridiumoxid als Katalysator auf der Anodenseite, wo Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten wird. Kein anderes Material erreicht dabei die gleiche Kombination aus katalytischer Aktivität und Langzeitstabilität unter den aggressiven Bedingungen der Sauerstoffentwicklung.

Das Problem: Die weltweite Iridiumförderung von etwa 7 Tonnen pro Jahr reicht bei heutigen Beladungsmengen nicht aus, um den prognostizierten Ausbau der Elektrolysekapazitäten zu decken. Die Nationale Wasserstoffstrategie der deutschen Bundesregierung sieht bis 2030 zehn Gigawatt Elektrolysekapazität vor — weltweit existieren derzeit nur etwa fünf Gigawatt. Jeder dieser Elektrolyseure benötigt Iridium.

Die Forschung arbeitet daher an zwei Fronten: Erstens an der Reduktion der Iridiumbeladung pro Elektrolyseur — Forschende am Fraunhofer IAP haben 2025 Katalysatoren entwickelt, die mit einem Viertel der bisherigen Iridiummenge die gleiche Leistung erreichen [1]. Zweitens an Einzelatom-Katalysatoren, bei denen Iridiumatome gezielt auf Trägermaterialien verteilt werden, um den Edelmetalleinsatz weiter zu minimieren [2].

Gibt es Alternativen zu Iridium?

Der vielversprechendste Kandidat ist Ruthenium — ein ebenfalls zur Platingruppe gehörendes Edelmetall, das etwa 7,5-mal günstiger ist als Iridium und eine höhere katalytische Aktivität besitzt [3]. Das Problem: Reines Rutheniumdioxid löst sich unter den aggressiven Bedingungen der PEM-Elektrolyse nach wenigen hundert Stunden auf, während Iridium zehntausende Stunden stabil bleibt. Jüngste Durchbrüche zeigen jedoch, dass sich Ruthenium durch Dotierung mit Nickel, Mangan oder Wolfram erheblich stabilisieren lässt — Forschende der Rice University erreichten mit einem nickelstabilisierten Rutheniumkatalysator erstmals über 1.000 Stunden Betriebsdauer unter praxisnahen Bedingungen [3]. Auch Mischkatalysatoren aus Iridium und Ruthenium sind bereits kommerziell erhältlich und reduzieren den Iridiumbedarf um bis zu 30 % [4].

Vollständig iridiumfreie Lösungen auf Basis von Übergangsmetallen wie Mangan, Kobalt oder Eisen existieren bisher nur im Labormaßstab — sie lösen sich im sauren Milieu der PEM-Elektrolyse zu schnell auf [5]. Kurzfristig wird Iridium daher unverzichtbar bleiben. Die Frage ist nicht, ob Iridium ersetzt wird, sondern wie stark der Bedarf pro Elektrolyseur gesenkt werden kann — und ob dieser Effizienzgewinn mit dem geplanten Ausbau der Elektrolysekapazitäten Schritt hält.

Für Anleger bedeutet diese Dynamik: Die industrielle Nachfrage nach Iridium steigt strukturell — unabhängig davon, ob die Beladung pro Elektrolyseur sinkt, weil die Gesamtzahl der installierten Elektrolyseure massiv wachsen soll. Iridium steht damit im Zentrum eines Engpasses, der die Energiewende direkt betrifft.

[1] Fraunhofer IAP, „Iridium-reduzierte Katalysatoren für die kostengünstige Produktion von grünem Wasserstoff,“ Januar 2026. Projekt Power-to-MEDME-FuE (BMFTR-gefördert, Okt. 2023 – Dez. 2025). Verfügbar unter: iap.fraunhofer.de

[2] Korea Institute of Science and Technology (KIST), Einzelatom-Iridium-Katalysator auf Nickel-Mangan-Träger. Berichtet in: ingenieur.de, „Ein Atom reicht: Iridium-Problem der Wasserstoff-Elektrolyse geknackt,“ Februar 2026.

[3] Z.-Y. Wu, F.-Y. Chen, B. Li et al., „Non-iridium-based electrocatalyst for durable acidic oxygen evolution reaction in proton exchange membrane water electrolysis.“ In: Nature Materials, 2022. DOI: 10.1038/s41563-022-01380-5

[4] Heraeus Precious Metals, Iridium-Ruthenium-Oxidkatalysatoren für PEM-Elektrolyse. Bis zu 50× höhere Massenaktivität als reines IrO₂, kommerziell seit über 10 Jahren im Einsatz. Verfügbar unter: heraeus-precious-metals.com

[5] Nankai University, Review zu Mangan-dotierten Katalysatoren für die saure Wasserelektrolyse. Berichtet in: highways.today, „Manganese Redefines the Economics of Acidic Water Electrolysis,“ Februar 2026.


Vorkommen und Gewinnung von Iridium

Iridium gehört zu den seltensten Elementen in der Erdkruste mit einer Konzentration von nur etwa 0,001 ppm (parts per million). Zum Vergleich: Gold kommt mit ca. 0,004 ppm vor, also viermal häufiger. Da Quellenangaben variieren könnte Iridium sogar bis zu 40-mal seltener vorkommen als Gold.

Die weltweite Iridium-Förderung beträgt nur etwa 7 Tonnen pro Jahr. Der Großteil stammt als Nebenprodukt aus der Platin- und Nickelgewinnung, hauptsächlich aus Südafrika (über 80% der Weltproduktion), gefolgt von Russland, Simbabwe und Kanada.

Die Gewinnung ist extrem aufwendig: Aus einer Tonne Platinerz werden nur etwa 3 Gramm Iridium extrahiert. Dieser komplexe Raffinierungsprozess und die natürliche Seltenheit machen Iridium zu einem der wertvollsten Metalle der Welt.

Platinmine Südafrika
Südafrika >80% der Weltproduktion
Russland Norilsk Nickel
Simbabwe Great Dyke Komplex
Kanada Sudbury Basin
USA Stillwater Komplex
Kolumbien Alluviale Lagerstätten

Zur Datenlage

Häufigkeit in der Erdkruste

Die veröffentlichten Schätzungen zur Häufigkeit von Iridium in der Erdkruste schwanken je nach Quelle erheblich, da alle Platingruppenmetalle nur im Bereich von Teilen pro Milliarde (ppb) vorkommen — einem Bereich, in dem Messungen schwierig sind und lokale Konzentrationen um Größenordnungen abweichen können. Geochemische Konsenswerte beziffern Iridium auf etwa 0,4 ppb nach Gewicht, wobei mehrere begutachtete Quellen einen durchschnittlichen Massenanteil von rund 0,001 ppm (1 ppb) angeben. Im Vergleich zur häufig genannten Krustenhäufigkeit von Gold (~1,5 ppb) ist Iridium nach den meisten Schätzungen damit etwa 2- bis 4-mal seltener als Gold — einige mineralogische Studien gehen jedoch davon aus, dass Gold rund 40-mal häufiger vorkommt, was Iridium an die obere Grenze von bis zu ~40× seltener rücken würde. Wir geben dies bewusst als Spanne und nicht als einzelnen Faktor an, da der Wert tatsächlich davon abhängt, welcher Datensatz zugrunde gelegt wird.

Jahresproduktion

Iridium wird fast ausschließlich als Nebenprodukt der Platin- und Nickelraffination gewonnen; die weltweite Jahresproduktion liegt in der Größenordnung von nur wenigen Tonnen — ein Bruchteil der über 3.000 Tonnen Gold pro Jahr. Diese Produktionslücke ist weitaus größer als das rein geologische Seltenheitsverhältnis, denn Iridium besitzt kein eigenes Primärerz, und sein Angebot ist an die Fördermengen anderer Metalle gekoppelt.

Warum wir vorsichtig formulieren

Wo auf dieser Seite „viel seltener als Gold" steht, ist diese Aussage nach jedem Maßstab haltbar — Iridium ist sowohl bei der Krustenhäufigkeit als auch bei der Jahresproduktion eindeutig seltener als Gold. Auf einen einzelnen genauen Faktor (z. B. „N-mal seltener") verzichten wir in der kundenseitigen Darstellung bewusst, da gut informierte Leserinnen und Leser eine Quelle mit einem abweichenden Wert finden können. Die obigen Angaben stammen aus unabhängigen wissenschaftlichen und behördlichen Quellen, nicht von kommerziell interessierten Branchenverbänden.

  1. WebElements — Iridium: geological information (Krustenhäufigkeit ~0,4 ppb nach Gewicht). https://www.webelements.com/iridium/geology.html
  2. WebElements — Gold: geological information (Krustenhäufigkeit ~1,5 ppb nach Gewicht). https://www.webelements.com/gold/geology.html
  3. Chemical Geology (1984), „Abundance and distribution of palladium, platinum, iridium and gold in some oxide minerals" — Iridium ~0,001 ppm; Gold ~40× und Platin ~10× häufiger. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0009254184901426
  4. Journal of Radioanalytical and Nuclear Chemistry (2011), s10967-011-1332-3 — durchschnittlicher Massenanteil von Iridium 0,001 ppm im Krustengestein. https://link.springer.com/article/10.1007/s10967-011-1332-3
  5. U.S. Geological Survey — Mineral Commodity Summaries: Platinum-Group Metals (Angaben zur Jahresproduktion). https://www.usgs.gov/

Iridium vs. Platin: Vergleich der Edelmetalle

Obwohl beide zur Platingruppe gehören, unterscheiden sich Iridium und Platin erheblich in ihren Eigenschaften, ihrer Verfügbarkeit und ihren Anwendungsgebieten. Für Investoren und Sammler ist dieser Vergleich besonders aufschlussreich.

EigenschaftIridiumPlatin
Dichte22,56 g/cm³21,45 g/cm³
Schmelzpunkt2.446 °C1.768 °C
Jährliche Förderung~7 Tonnen~190 Tonnen
KorrosionsbeständigkeitHöchste aller MetalleSehr hoch
HauptanwendungKatalyse, ZündkerzenKatalysatoren, Schmuck
BörsenhandelNicht börsengehandeltNYMEX, LBMA
VerfügbarkeitExtrem begrenztBegrenzt

Da Iridium nicht an einer Rohstoffbörse gehandelt wird, ist sein Preis weniger anfällig für spekulative Schwankungen. Die Preisbildung basiert auf realen industriellen Angebot- und Nachfrageverhältnissen.

Für einen detaillierten Vergleich aller Edelmetalle — einschließlich Osmium und Rhodium — siehe unseren Edelmetallvergleich.


Iridium als Wertanlage: Chancen und Besonderheiten

Iridium hat in den letzten Jahren zunehmend das Interesse von Investoren geweckt. Der Preis stieg von unter 500 USD pro Unze im Jahr 2018 auf über 6.000 USD im Jahr 2021 — ein Anstieg, der die fundamentale Knappheit des Metalls widerspiegelt.

Als physisches Investment bietet Iridium einige einzigartige Vorteile: Es ist chemisch nahezu unzerstörbar, extrem kompakt (höchste Dichte aller Platingruppenmetalle) und profitiert von der wachsenden Nachfrage aus der Wasserstoffwirtschaft.

MetaMetals bietet zertifizierte Iridiumbarren als 1 oz (31,1 g) Barren an — gesintert in Österreich, mit digital signiertem PDF-Echtheitszertifikat und Seriennummer.

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FAQ

Antworten auf die häufigsten Fragen.

Iridium in seiner metallischen, festen Form ist chemisch inert und ungiftig. Es kann sicher gehandhabt werden. Bestimmte Iridium-Verbindungen (z.B. Iridiumchlorid) können jedoch toxisch sein — diese werden aber nicht in Barren oder Anlageformen verwendet.

Die jährliche weltweite Förderung beträgt nur etwa 7 Tonnen. Die gesamten bisher geförderten Reserven werden auf wenige hundert Tonnen geschätzt. Zum Vergleich: Jährlich werden etwa 3.000 Tonnen Gold gefördert.

Der hohe Preis von Iridium resultiert aus der extremen Seltenheit (nur als Nebenprodukt der Platinförderung gewonnen), der aufwendigen Raffination und der steigenden industriellen Nachfrage — insbesondere aus der Wasserstoffwirtschaft.

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Beide gehören zu den Platinmetallen und sind extrem selten. Osmium ist das dichteste natürlich vorkommende Element (22,59 g/cm³ vs. 22,56 g/cm³ bei Iridium). Beide haben unterschiedliche industrielle Anwendungsgebiete. Bei MetaMetals ist Osmium auch in kristallisierter Form erhältlich, während Iridium nur in Form von Barren verfügbar ist. Osmiumbarren ansehen →

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